Posts Tagged ‘Artenvielfalt’

Neue Chancen für alte Einwanderer: großangelegte Pflanzaktion von Weinbergquitten und Mandelgehölzen

Das Ziel der Aktion „Lebendiger Weinberg“ der Umweltakademie Baden-Württemberg im Verbund mit den Staatsweingütern Weinsberg und Freiburg, den Weinbauverbänden Baden und Württemberg, den VDP-Verbänden sowie zahlreichen Weingütern und Genossenschaften ist klar: „Weinbaugebiete sollen wieder zu Naturerlebnislandschaften werden!“. Zu dieser Aktion, die Weinbau, Umweltvorsorge und Nachhaltigkeit verbindet, wurden jetzt neue ökologische Bausteine zugefügt. Am vergangenen Wochenende pflanzten verschiedene Weingüter und Genossenschaften im württembergischen Weinanbaugebiet typische Gehölze wie die Weinbergquitte und Mandeln, die früher im Weinberg heimisch waren. „Mit der Pflanzung dieser Gehölze im Weinberg tragen wir dazu bei, die Artenvielfalt im Weinberg zu erhöhen und etwa die Gegend rund um Fellbach zur Naturerlebnislandschaft zu machen“, erklärte Thomas Seibold, Vorstandsvorsitzender der Fellbacher Weingärtner.

Und Aktions-Initiator und Akademie-Leiter Claus-Peter Hutter betonte: „Nach der erfolgreichen Etablierung des umweltschonenden Weinbaus erwächst bei so manchem Wengerter auch wieder das Interesse an den früher weit verbreiteten, aber heute vielerorts verschwundenen Nutzgehölzen der Weinberge.“ Die Pflanzaktion sei ein weiterer wichtiger Baustein der jahrelangen Erfolgsgeschichte beim Thema Weinbau und Umwelt.

Für Weingärtner gebe es vielerlei Möglichkeiten, der Tier- und Pflanzenwelt unter die Arme zu greifen und damit auch die Attraktivität der Weinbaugebiete und des Naturprodukts Wein zu erhöhen, betonte Dr. Günter Bäder, Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau Weinsberg. „Die Pflanzaktion ist dazu ein Beitrag.“

Quittenbaum - Foto: Manni66/Pixelio

Quittenbaum – Foto: Manni66/Pixelio

Insgesamt wurden am Freitag und Samstag mehr als 100 Halbstammbäume der Sorte Weinbergquitte und Dürkheimer Krachmandel von verschiedenen Weingütern und Genossenschaften aus Nordwürttemberg in Weinbergregionen gepflanzt. Damit wurde ein bedeutender Beitrag geleistet, zwei Elemente uralter Weinbergskultur als ökologische Nischen und als Beispiel für jahrhundertelange Natur und Kultur wiederanzusiedeln.

Advertisements

Seminar: „Fit für den Klimawandel – Anpassungsstrategien für Kommunen“

Der Klimawandel macht sich in Baden-Württemberg immer stärker bemerkbar. Allen Berechnungen zur Folge wird sich dies in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen – um bis zu 1,7° C. Gleichzeitig steigt mit der globalen Erwärmung das Risiko für extreme Niederschläge. Diese veränderten Klimaparameter wirken sich vielfältig auf den Natur- und Siedlungsraum aus und werfen verschiedene Fragen auf: Wie begegnen wir den Folgen des Klimawandels? Welche Strategien helfen, die Lebens- und Standortqualität aufrecht zu erhalten und die Verwundbarkeit der Infrastruktur einzudämmen? Wie erhalten wir die heimische Artenvielfalt trotz veränderter klimatischer Rahmenbedingungen? Hierbei kommt der Regional- und Bauleitplanung eine wichtige Aufgabe zu. Dabei geht es um die Folgenabschätzung des Klimawandels und planerischen Maßnahmen zur Schadensminimierung. 

Ziel des Seminars am 30. September in Stuttgart ist es, die Anpassungsstrategie des Landes und praktische Handlungsempfehlungen für die zukünftigen Planungen in Kommunen zu vermitteln. Zudem werden Wege aufgezeigt, wie klimaschutzrelevante Funktionen der Landschaft beurteilt und gefördert werden können, um so notwendigen, jedoch klimaschädigenden städtebaulichen und planerischen Maßnahmen entgegenzuwirken.

 Mehr Informationen zum Seminar gibt es im Internet unter www.um.baden-wuerttemberg.de.

Anmeldung via Mail mit der Seminarnummer 48 TE bei Sabrina.Temme@um.bwl.de bitte bis spätestens 18. September 2015.

Winzer der Ortenauer Weinkellerei pflanzen für den Erhalt der Biodiversität

In einer groß angelegten Pflanzaktion waren am Samstag Winzer und Vertreter der Ortenauer Weinkellerei sowie der Umweltakademie nach Friesenheim gekommen, um die von der Akademie entwickelte Aktion „Lebendiger Weinberg“ in jener Ortschaft im Ortenaukreis in die Praxis umzusetzen. Das Pflanzen von heimischen Kräutern und Stauden trägt zum Erhalt der Artenvielfalt in den heimischen Weinbergen bei und soll langfristig dem nachhaltigen Weinbau dienen.

v.l.n.r.: Richard Kopf (WG Friesenheim), Fritz Link (Umweltakademie), Harald Rissel (Edeka Südwest), Helmut Kohler (Edeka Kohler), Rainer Huber (Edeka Südwest)

v.l.n.r.: Richard Kopf (WG Friesenheim), Fritz Link (Umweltakademie), Harald Rissel (Edeka Südwest), Helmut Kohler (Edeka Kohler), Rainer Huber (Edeka Südwest)

 

Lange Zeit boten Weinberge Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen, die im Zuge der Modernisierung der Landwirtschaft teilweise zerstört wurden. Die Aktion „Lebendiger Weinberg“ hat das Ziel, der heimischen Flora und Fauna wieder mehr Raum zu geben, ohne dabei die Bewirtschaftung der Weinberge zu erschweren. Bei der Veranstaltung in Friesenheim setzten Winzer der Ortenauer Weinkellerei erste Wildkräuter und Stauden, die weiteren Pflanzen und einer vielgestaltigen Tierwelt wieder mehr Raum bieten. Neben der Naturbewahrung wird auch das Landschaftsbild aufgewertet und die Umwelt- und Lebensqualität in unserer Heimat erhöht. „Uns liegt die Verbesserung der Lebensbedingungen für freilebende Tier- und Pflanzenarten auf bewirtschafteten Weinbauflächen am Herzen. Auf langfristige Sicht möchten wir eine umweltverträgliche Bewirtschaftung von Weinbaugebieten erreichen, ohne Erschwernisse für die Winzer zu schaffen“, betonte Fritz Link von der Umweltakademie. „Die Aktion entspricht voll und ganz unserem Nachhaltigkeitsgedanken: Handeln mit Verantwortung – für die Generation von morgen. Wir freuen uns, mit dieser Partnerschaft ein Stück zum lebendigen Weinberg beitragen zu können“, sagte Harald Rissel von Edeka Südwest. 

Große Resonanz beim ersten Aktionstag dieses Jahres

Beim Saisonstart am vergangenen Wochenende legten sich die kleinen und großen Besucher für Meisen und Fledermäuse richtig ins Zeug und wurden handwerklich aktiv. Unter der Anleitung von Schreinermeister Erich Ludwig konnten Nistkästen für Vögel und Schlafquartiere für Fledermäuse selbst gebaut werden. „Aufgrund der fortschreitenden Urbanisierung fehlen heutzutage vielerorts natürliche Nistplätze“, sagte Jessica Daul von der Umweltakademie. „Künstliche Nisthilfen tragen zum Schutz der heimischen Vögel bei und bieten darüber hinaus die Möglichkeit zur Naturbeobachtung im eigenen Garten.“ Zusätzlich informierte Frank Handel vom Naturschutzbund (NABU) Ludwigsburg über die heimischen Vogelarten. Er gab wertvolle Tipps für die Reinigung und Anbringung der Nistkästen. Natürlich war auch der richtige Umgang mit unseren gefiederten Freunden ein Thema. So informierten sich die Aktionstagbesucher an diesem Wochenende nicht nur über ökologische Zusammenhänge und Gefährdungsursachen, sondern leisteten auch gleich einen praktischen Beitrag zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen.

Fleißige Nistkastenbauer

Fleißige Nistkastenbauer

An den Aktionstagen im Akademie-Natur-Info-Center der Wilhelma rückt die Umweltakademie Tiere und Pflanzen in den Mittelpunkt und zeigt, wie man ihnen in unseren ausgeräumten Landschaften wieder lebenswerte Nischen einräumen und damit einen Beitrag zu ihrem Schutz und zum Erhalt der Artenvielfalt leisten kann. Ziel dieser Aktionstage ist es, Kenntnisse und Wissen über Tiere und Pflanzen und Zusammenhänge in der Natur zu erwerben.

Der nächste Aktionstag im Akademie-Natur-Info Center findet am Mittwoch, 8. April 2015 zum Thema „Natur und Kultur vereint: Nisthilfen für Ohrwürmer schaffen“ von 11.00 Uhr bis 16.30 Uhr statt.

Hier geht’s zur Programmübersicht aller Aktionstage: www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de

 

Biotopverbund schafft mehr Raum für Tiere und Pflanzen

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Ein landesweiter Biotopverbund soll künftig die Artenvielfalt in Baden-Württemberg sichern. Der Verbund, der in den kommenden Jahren entstehen soll, soll nach dem Willen der Landesregierung zehn Prozent der Landesfläche bedecken. Das Ziel: die Verhinderung des Artensterbens und die Sicherung der Biodiversität. Die Nutznießer: alle Pflanzen- und Tierarten, die über Naturschutz und Landschaftsplanung geschützt oder gepflegt werden – also beispielsweise Vögel, Reptilien, Amphibien, Falter, Wildbienen, Libellen, Heuschrecken und Käfer. Aber auch die Schaffung von Korridoren für Wildtiere soll dafür sorgen, dass die Tiere weniger Straßen queren müssen und es damit zu weniger Unfällen kommt.

Nach dem Abschluss der Planungen für den Biotopverbund werden nun Kernzonen definiert, also Gebiete, die jetzt schon Schutzstatus haben und die künftig netzförmig für die Zielarten ausgeweitet werden sollen. „Ziel ist nun, Gebiete für Tiere und Pflanzen mit ähnlichen Standortansprüchen zu verbinden“, sagte Marcus Lämmle, Referatsleiter Naturschutz und Landschaftsplanung im Ministerium für Ländlichen Raum.

Agrobiodiversitäts-Gipfel ein voller Erfolg

Jeden Tag sterben weltweit etwa 150 Tier- und Pflanzenarten aus – darunter auch solche, die Lebensmittel liefern. Seit 1900 sind so auf der ganzen Welt schätzungsweise 75 Prozent aller Kulturpflanzensorten ausgestorben, in Europa sind es sogar mehr als 90 Prozent. Heute decken gerade einmal 30 Pflanzenarten 95 Prozent des Welternährungsbedarfs ab.

Dieses Artensterben war am Mittwoch, 29. Oktober das Thema des ersten bundesweiten Agrobiodiversitäts-Gipfels in Bruchsal mit mehr als 150 Teilnehmern. „Eine hohe Agrobiodiversität, also eine große Artenvielfalt, ist von größter Bedeutung für die Landwirtschaft und die Ernährung. Die Verfügbarkeit verschiedenster Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen ist enorm wichtig, um die Ernährung lokal und global zu sichern. Nur so kann man den Herausforderungen der Zukunft aktiv begegnen“, sagte Umweltakademie-Leiter Claus-Peter Hutter am Mittwoch in Bruchsal. Mit dem Kongress solle die Bewahrung der Vielfalt als unersetzliches Erbe sowie eine nachhaltige Lebensmittelproduktion als Beitrag zum Schutz der Kulturlandschaft in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden.

Auf den ersten Blick höre sich der Begriff der Agrobiodiversität immer etwas sperrig an, dabei beschreibe er die durch Landwirte und Viehzüchter über Jahrtausende entwickelte biologische Vielfalt in der Landwirtschaft, betonte Prof. Dr. Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). „Nur durch einen umfassenden Genpool können Ertragsrisiken eingedämmt und eine zuverlässige Ernährungssicherung gewährleistet werden.“ Früher seien die alten Rassen Mehrnutzungstiere gewesen. „Eine Kuh etwa wurde nicht nur zur Milchproduktion gehalten, sondern auch als Fleischlieferant und als Zugtier. Heute hat man eine enorme Spezialisierung auf einen einzelnen Nutz-Bereich, dadurch werden die alten Rassen um Längen abgehängt“, kritisierte Lenz. Wenn sich heute ein Landwirt für die Milchwirtschaft entscheide, nehme er die neu gezüchtete Kuhrasse, die bis zur dreifachen Menge Milch erzeuge. Das wiederum ziehe ein schleichendes Aussterben der alten Arten nach sich.

Der Erhalt jener alten Arten ist nach Ansicht der Experten allerdings nur gemeinsam mit der Landwirtschaft und dem Handel möglich. Denn die Landwirtschaft zerstöre zwar die biologische Vielfalt, sei gleichzeitig aber auch der wichtigste Produzent von Biodiversität in Deutschland. „Der Intensivierungsdruck im Agrarbereich verlangt nach kooperativen Wegen zur Umsetzung von Artenschutzbelangen in der landwirtschaftlich genutzten Fläche“, sagte Claus-Peter Hutter. Hierzu gehöre neben der Förderung des ökologischen Landbaus auch der Erhalt vielfältiger Fruchtfolgen sowie die Vermarktung regional angepasster Sorten und Rassen. „Die globale Ernährungssicherung ist eine der größten Zukunftsaufgaben für die Staatengemeinschaft“, betonte der Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg.

Veranstaltet wurde der Agrobiodiversitäts-Gipfel unter dem Motto „Vom Wert zum Mehrwert alter Nutztiere und –pflanzen“ von der Umweltakademie Baden-Württemberg, der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) sowie weiteren Kooperationspartnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ziel der Tagung war es, den Wert und die Bedeutung biologischer Vielfalt vor allem in der Landwirtschaft aufzuzeigen und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.

Faszination Artenvielfalt vor der Haustüre – Entdeckung und Erkundung mit Kindern

Im Rahmen des Programms „Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft“, das die Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit der Heidehof-Stiftung ins Leben gerufen hat, konzipiert die Umweltakademie Baden-Württemberg verschiedene Seminare und Workshops rund um das Thema Nachhaltigkeit. Ziel des Projekts ist es, Kinder und Jugendliche für die ökologische Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Thema: Faszination Artenvielfalt vor der Haustüre – Entdeckung und Erkundung mit Kindern
Veranstaltungsdatum: Mittwoch, 16. Juli 2014, 9.00-17.00 Uhr
Ort: NABU-Vogelschutzzentrum, Ziegelhütte 21, 72116 Mössingen
Seminargebühr: entfällt
Kreis der Teilnehmer: Mitarbeiter der Projektträger des Programms „Nachhaltigkeit lernen – Kinder gestalten Zukunft“ von der Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit der Heidehof Stiftung sowie alle Vertreter von Bildungseinrichtungen
Anmeldungen: per E-Mail an sabine.ratzel@web.de (Seminar Nr. 112 RAZ)

Akademie für Natur-und Umweltschutz Baden-Württemberg
Dillmannstrasse 3
70193 Stuttgart
Mail: sabine.ratzel@web.de oder teresia.robitschko@um.bwl.de

www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de